Donnerstag, 12. November 2015

Über die Ehrlichkeit und Echtheit in der virtuellen Welt

Immer öfter lese ich auf diversen virtuellen Kanälen Aufrufe für mehr Echtheit und Ehrlichkeit im Web (komischerweise meistens dort, wo genau das Gegenteil die Norm ist).

Mich persönlich wundert es nicht, das viele Menschen sich lieber aus der virtuellen Welt zurückziehen, anstatt dem Aufruf nachzugeben, denn ehrlich: die Grenze zwischen peinlich und echt ist manchmal sehr sehr dünn und einmal in das www hinausposaunt, ist es draußen - kaum rückgängig zu machen oder klarzustellen.


Ich finde meinen Blog persönlich. Echt. Natürlich gibt es Dinge, die hier nichts zu suchen haben. Und Dinge, die ich nicht niederschreiben kann - weil sie gesagt werden müssen um nicht mißverstanden zu werden.

Mit der Ehrlichkeit habe ich hier so meine Probleme - vorallem wenn Dinge einmal nicht so laufen, wie sie sollen oder ich es mir gewünscht habe, wenn ich traurig bin oder so zornig, dass ich am liebsten heulen und schreien gleichzeitig will.

Warum ich darüber nicht schreiben kann? (und jetzt ruft auch bitte die Worte aus dem vorletzten Absatz in Erinnerung: ... Dinge, die ich nicht niederschreiben kann - weil sie gesagt werden müssen um nicht mißverstanden zu werden)


Weil wenn ich darüber schreibe, lege ich nicht nur einen ziemlich verwundbaren Teil von mir selbst sehr öffentlich dar, sondern muss auch ein "ja, hatte ich auch ..." und "das wird auch vorbeigehen ...", "ärger dich nicht ..." und "das Leben geht weiter ..." akzeptieren.

Und das kann und will ich nicht - nicht in diesem Moment (und vermutlich auch nicht später) - ich will in diesem Moment stinkwütend und endlos traurig sein dürfen - dass das Leben trotzdem weitergeht und andere viel schlimmer dran sind - ja, danke. Ich weiß es.
(denkt immer an den Satz: ... Dinge, die ich nicht niederschreiben kann - weil sie gesagt werden müssen um nicht mißverstanden zu werden)


Und weil ich nicht rummotzen will und undankbar erscheinen will - es auf der anderen Seite aber in dem Moment (und vermutlich auch nicht später) schwer aushalten kann - schreibe ich gar nichts.

Denn oft denke ich mir: ich möchte darüber schreiben, wie sehr der große Wolf uns nach über 1 1/2 Jahren immer noch fehlt (und das der Mensch, der den Spruch "Die Zeit heilt alle Wunden" rückwirkend verklagt gehört) und das die Traurigkeit, das Vermissen und der Schmerz, Gefühle sind, an die man sich gewöhnt - mit denen man lernt zu leben. 



Und im selben Moment weiß ich, wie brutal sich das liest. Das ich es aussprechen und bei Bedarf erklären müsste - und das ist schriftlich unmöglich. Also lass ich es.

Oder ich möchte darüber schreiben, wie müde wir oft nach einem Tag sind, der uns 14 Stunden von zu Hause fernhält. Der nach über 10 Stunden Arbeit noch 120km Autofahrt bedeutet. Und wie wenig Lebenszeit an diesen Tagen jede Woche übrigbleibt.


Aber ich lasse es - ich schreibe und zeige euch lieber die schönen Seiten, die es auch an diesen Tagen gibt. Denn die sind auch echt und es schreibt sich nach solchen Tagen einfach leichter darüber (Hallo Ehrlichkeit!).

Und wenn ich dann wieder über die Ehrlichkeit in der virtuellen Welt lese, frag ich mich: Wieviel Ehrlichkeit verkraftet sie? 


Oder geht es wirklich nur um schmutzige Wäsche, dreckige Küchen, ungeschminkte Gesichter und Zahnpastaspritzer?

Kommentare:

  1. Du hast Recht: Zu persönlich darf es im Blog nicht werden, finde ich. Denn das ungenierte oder rührselige Zurschaustellen von eigenen Sorgen, Ärgernissen, Intimitäten und Problemen nützt niemandem etwas.
    Für therapeutische Zwecke ist das Netz definitiv keine gute Wahl.
    Zum gegenseitigen Gedanken-, Glücks- oder auch Meinungsaustausch dagegen sehr wohl.

    In diesem Sinne mag ich dein Blog sehr, liebe Nima!
    Es wahrt genau jene Distanz, die es hier braucht.

    Herzliche Grüsse,
    Brigitte


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  2. Jeder muss für sich entscheiden wie viel er Preis gibt...ich folge da einfach meinem Bauch. Mal ist es weniger, mal mehr. Öfter würde ich Dampf ablassen wollen, habe aber das selbe Problem mit den tröstenden Worten wie du ;-) Manchmal helfen sie, aber manchmal sind sie voll daneben. Aber egal was, echt sollte man sein und ich finde dass man das sehr gut erkennen kann ob es jemand ist oder nur so tut. Und hier fühle ich mich nicht verkackert :-)
    Liebste Grüße,
    Lee

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  3. Ich finde es nicht unehrlich, wenn man nicht seine Seele blank legt, sondern sich schützt und eine private Grenze hat. Unehrlich finde ich Dinge, die so nicht stimmen, nie passiert sind oder anders waren. Auslassen ist nicht lügen.
    Ich schreibe auch in meinem Blog nicht alles auf, mal um meine Familie zu schützen, mal um nicht zu angreifbar zu sein. Einen ganz alten Blog, zu Zeiten in denen noch kaum jemand eine private Webseite hatte und es keine fertigen Blogs gab, nahm ich nach zig Jahren komplett aus dem Web heraus, weil sich die virtuelle Welt wandelte und nicht zum Guten, leider und immer mehr Menschen die Anonymität nutzten, um fremde Leute zu verletzten und zu beleidigen, aus welchen Gründen heraus auch immer.
    Aber ist man unehrlich, wenn man sich schützt, wenn man nicht alles heraus posaunt?
    Ich finde nein :)
    So lange man bei der Wahrheit bleibt und keine Lügen erfindet, ist man ehrlich in meinen Augen und wegen Deinem Wolf den Du so vermisst? Meine Rübe habe ich im September 2014 gehen lassen müssen und ich weine noch heute oft um sie und ich sehe andere Hunde und bekomme die Tränen nicht herunter geschluckt und ich sitze oft auf dem Sofa und muss weinen und ständig sage ich unterwegs zu meinem Mann: "Weißt Du, mir fehlt gerade wieder das schöne Gefühl einen Hund zu haben..." Ich glaube oft, das geht nie weg. Du bist damit nicht allein und auch die anderen Dinge, man ist nie die einzige Person die so fühlt, egal ob es gute oder schlechte Gefühle sind, es gibt immer Menschen, denen es auch so ergeht, vielleicht sogar in der selben Sekunde. Der Gedanke tröstet mich immer ein wenig.
    Alles Liebe,
    Nicole

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  4. Ich bin bei der rückwirkenden Klage dabei!!!

    Ich finde es nicht unehrlich, wenn man nicht alles von sich preis gibt. Manche Dinge gehen einfach die große weite Welt nichts an und andere benötigen mehr als das geschriebene Wort. Ich mag dich und deinen Blog genauso wie ihr seid ❤️
    Liebe Grüße
    Sabine

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  5. Also, mir gefällt Dein Mix :-)
    Und Dein (neuer?) Header!
    liebe Grüße von Petra

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  6. Sehr passend beschrieben. Wenn ich denke, wie oft ich in Gedanken (!!!) manchmal schimpfe und vor mich hin zeter... wenn ich das aussprechen würde, oha. Und genauso halte ich es beim schreiben. Das ist aber für mich nicht unehrlich. Unter unehrlich versteh ich z.B. retuschierte Fotos und dann dazu die Behauptung: so seh ich aus, habe gerade 10 kg abgenommen und eigentlich war es Photoshop und keine Diät :-)
    In diesem Sinne alles liebe von der Maus

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  7. Ja die Ehrlichkeit.......
    lassen wir es.
    Ich glaub dir das dir der Wolf fehlt.Mir fehlt meine Kira auch unendlich.
    Ich drück dich.
    LG
    Nicole

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  8. Man muss nicht alles preisgeben. Ich finde es auch wichtig, sich und seine Familie zu schützen. Und oft ist es so, dass man sich über irgendetwas geärgert hat, aber nach einigen Stunden die Sache ganz anders sieht. Blöd, wenn man dann alles in die Welt hinausposaunt hat.

    Ich kann nachvollziehen, dass dir der große Wolf fehlt. Ein Hund ist ein Freund, der uns in allen Lebenslagen begleitet.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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  9. Aber manchmal täte es auch gut zu lesen, dass andere auch einen Monstertag hinter sich haben und fix und fertig sind nach der Arbeit - und nicht nur durchgestylte, schöne Menschen und Wohnungen und Projekte und so weiter und so weiter, das alles macht mich gelgentlich auch ziemlich neidisch (und dabei weiß ich dass es nicht die ganze Wahrheit ist).
    Ich filtere auch, was in meinen blog kommt...weil das jeder so macht - ich Lemming!!!
    Annette

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  10. Man muss sich nicht immer nackig machen im Netz. sag so viel du willst. Ich rede/schreibe dann lieber mal gar nicht. Und bleibe bei meiner heilen Welt. Obwohl es eine Menge Sch... über die man schreiben könnte.

    Du bist dein Blog und du zeigst was du willst!
    Liebe Grüße und ich mag deinen Blog so wie er ist...
    Andrea

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  11. Liebe Nima besten Dank für deine ehrlichen Worte. Gerade schreibe ich diesen Kommentar, während die eine Schmusekatze halb über der Tastatur liegt... :-) Ich finde, ein bisschen Privatssphäre und Schutz muss man einfach haben in der grossen Internetwelt.Und ist es nicht auch so, dass man tagtäglich so viel Schlechtes, Ungeheuerliches und Nervenauftreibendes erlebt, dass man dann Abends vor dem Laptop nicht auch noch solches lesen möchte?
    Und doch finde ich es auch gut, wenn man ab und zu solche Beiträge lesen kann. Beiträge wo man merkt, dass es einfach menschlich ist. Dass jeder solche und solche Tage hat. Genau das macht doch die Leute auch sympathisch.Und das bist du mir, weil du hier bist, wie du bist. Manchmal mit solchen und manchmal mit solchen Beiträgen! <3 Ich mags!! Danke dass ich ein wenig teilhaben kann an deinem Leben.
    Ich denke bei Instagram ist man vielleicht immer ein klein wenig ehrlicher und auch das mag ich.
    Und nun möchte ich dich einfach in die Arme nehmen und einmal fest drücken!! Einfach weil ich dich mag <3
    Liebste Grüsse Alizeti

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  12. Zunächst erstmal: Tolles neues Blogoutfit!
    Und deine Worte haben mich wirklich berührt. Und mit Schrecken habe ich gelesen, dass du 120 Kilometer zur Arbeit fährt. Eine Strecke???? Und das jeden Tag???? Da bleibt wirklich nicht viel gemeinsame Lebenszeit!
    Deshalb genieße jeden Moment. Das Leben hat soviel Schönes zu bieten. Und Wunden heilt die Zeit nicht, aber du hast schöne Moment mit eurem großen Wolf erleben dürfen. Und das ist ein großes Geschenk!

    Berührte Grüße schickt dir Marion

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    1. Nein - nicht zur Arbeit. Es sind 60km eine Strecke um den kleinen Wolf zweimal die Woche von seinem Tagplatz abzuholen ;)

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    2. ... na gut, bis hierher konnte ich ja noch folgen - aber 2x60km für einen Hunde-Tages-"Heim"Platz - also wirklich, nein, das verstehe ich NICHT:
      Zeit, Ressourcen, Geld, Nerven....
      Gibts da keine andere Lösung???????????????????????????????????????????????

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    3. Zeit, Ressourcen, Geld (fürs Benzin - sonst keines) und Nerven - ja klar. Gehen drauf - brauche ich nicht schön reden. Da es aber kein "normaler" Platz ist, sondern bei der Züchterin vom großen Wolf, die nun den kleinen Wolf als Miniatur-Pit-Bull adoptiert hat, es ihm dort gut geht weil er geliebt wird und wir ihr vertrauen - kann ich deine Frage ????????????????????????????????????? mit einem ehrlichen "Nein" beantworten. Für uns nicht.

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  13. Ich finde du hast recht. Nicht alles gehört in einem Blog. Oft Frage ich mich ob ich es richtig mache. Was darf rein, was nicht. Aber die Antwort habe ich nicht.
    Ich drück dich!!
    GLG Dany

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  14. Hallo meine Liebe, ich finde es auch kein bisschen unehrlich, wenn Du in Deinem Blog nur über Dinge schreibst, die Du öffentlich machen möchtest, aus welchem Grund auch immer. Die Diskussion über Ehrlichkeit oder Unehrlickeit habe ich nicht mitbekommen, deshalb fehlt mir der Bezug zu Deinem Eintrag. Das, was Du schreibst sollte ehrlich sein, alles andere würde mich enttäuschen. Ich könnte auch nicht nachvollziehen, warum Du Dir Dinge ausdenken solltest. Aber, welche Gedanken und Gefühle Du mit uns teilst, dass ist ganz allein Deine Entscheidung, und darüber zu urteilen, wäre anmaßend. Ich kann verstehen, dass die Trauer Dich immer wieder überkommt, so wird es auch immer bleiben. Keines meiner Worte wird dies ändern, aber ich möchte Dir trotzdem mein Mitgefühl zeigen. Deshalb hoffe ich auch, dass es heute ausnahmsweise Mal mit dem Kommentieren klappt. Du weißt, ich habe fast immer Probleme damit. Fühl Dich gedrückt.

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    1. Liebe Eva! Es hat perfekt geklappt - ich danke dir für deine Worte!

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  15. Meine Lieben, vielen Dank für eure Kommentare und Worte! Das hat einfach nur gut getan eure Meinungen zu hören und wie ihr darüber denkt! Danke!

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  16. Du machst das schon richtig! Es gibt Dinge, die können im niedergeschriebenen Zustand einen Tsunami auslösen und genau DAS braucht man, wenns einem eh grad nicht gut geht, am allerwenigsten.
    Hin und wieder muss ich mich auf meinem Blog schon auskotzen, oft dann, wenn ich Meinungen hören will, wie andere mit diesen Situation umgehen oder schon mal umgegangen sind.
    Aber noch viel öfter schreibe ich einen post, einfach um zu schreiben, was mich gerade richtig anstinkt oder traurig macht, ohne ihn jemals zu veröffentlichen oder auch nur vorzuhaben, ihn zu veröffentlichen. Allein schon das Schreiben hilft mir oft.
    Da ich ja noch nicht soooo lange deinem Blog folge, wusste ich gar nicht, dass es schon mal einen großen Wolf gab und ich versteh gut, dass du noch immer um ihn trauerst. Und soll ich dir was sagen? GEnau das macht dich so sympatisch.
    Alles Liebe Babsy

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Und das sagst du dazu...

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